Brief des Versöhnungsbundes an die Koalitionäre in NRW bezüglich der Kooperationsvereinbarung von Schule und Bundeswehr. 2010

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Mit diesem Schreiben richten wir uns jeweils an die Parteivorsitzenden, Fraktionsvor sitzenden und GeschäftsführerInnen von SPD und Grünen

Schule ohne Bundeswehr
Umgehende Kündigung der Kooperationsvereinbarung
zwischen der Landesregierung NRW und der Bundeswehr vom 29.10.2008

Sehr geehrte Herr Remmel,

seit seiner Gründung nach dem 1. Weltkrieg haben sich viele Mitglieder  des Versöhnungsbundes, Männer und Frauen, als Lehrer und Erzieher in freien und staatlichen Schulen für eine Friedenserziehung zur Überwindung von Feindschaft, Krieg, Rüstung und Militär eingesetzt. Diesem Anliegen steht die o.g. Kooperationsvereinbarung diametral entgegen.

Im Sinne einer Erziehung zur Überwindung von Gewalt, wie es auch das Anliegen der UN- Dekade „für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder dieser Welt" sowie der
Dekade des Ökumenischen Rates der Kirchen zur Überwindung von Gewalt von 2000-2009 ist, bitten wir Sie dringend, im Rahmen Ihrer Verhandlungen zu einem Koalitionsvertrag für die Kündigung
dieser Vereinbarung einzutreten.

Unsere Begründung:
Gewaltfreiheit ist Voraussetzung, wenn nicht der Ermöglichungsgrund für jede Art menschlicher Kommunikation. Ohne Gewaltfreiheit ist die Achtung vor der Würde des Menschen nicht möglich. Die Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen benennt in Art. 7, Absatz 1 „Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken“ als „vornehmstes Ziel der Erziehung“.

Die Bundeswehr praktiziert die staatlich-institutionalisierte Aufhebung des in unserer Gesellschaft verankerten Tötungstabus. Soldaten erlernen dort die Anwendung tötender Gewalt. Bereits das Erlernen, wieviel mehr die Androhung und erst recht die Anwendung tötender Gewalt stehen im direkten Widerspruch zur Gewaltfreiheit.

Die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bundeswehr bedroht die Wurzeln jeglicher menschenwürdigen Erziehung, weil sie dazu beiträgt Gewalteinsätze
der Bundeswehr als normal anzusehen.

Der Beutelsbacher Konsens von 1976 über die Minimalbedingungen für politische Bildung benennt das Überwältigungs- oder auch Indoktrinierungsverbot und das Kontroversitätsgebot oder
auch Gebot zur Ausgewogenheit. Dies gilt es bei allen Veranstaltungen in der Schule zu beachten. Auch Veranstaltungen im Rahmen der Aus- und Fortbildung von Referendarinnen und Referendaren
für den Schuldienst haben die gleichen Voraussetzungen zu beachten um die verfassungsmäßige Grundlage der Erziehung nicht zu gefährden.

Der Internationale Versöhnungsbund setzt sich seit 1914 für eine Kultur der Gewaltfreiheit ein und ist weltweit in über 40 Ländern vertreten. Seine Mitglieder haben in zahlreichen Projekten Erfahrungen damit gesammelt, Gewalt gewaltfrei zu überwinden. Bekannt geworden sind vor allem die Friedensnobelpreisträger Martin Luther King, Mairead Corrigan-Maguire und Adolfo Maria Pérez Esquivel.

In der Hoffnung auf einen in dieser Hinsicht jetzt möglichen und alsbald wirksamen Politikwechsel – für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung – verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Pfarrer Dr. Matthias-W. Engelke

Dr. Achim Schmitz

 

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